For the VNG Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft the partnership with east German art plays an important role. As a large company in the region we feel a responsibility for the creation of space for art to develop and be created. Here we can see parallels to the growth of our own performance. Since its foundation, the VNG Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft has committed itself to supporting contemporary art from the eastern federal states, and creating a forum for it in collections, calendars, exhibitions and books, a forum in which art could, and can, reflect itself.
A collection of photographic documents, conceived to anticipate the awaited loss of manifest reality and history and to compensate this artistically not only forms an archive, it also empowers that archive to step into the position of reality itself. With this we are standing before an expression of reality, the area of which has become archival in nature. When, however, this archival space of reality can be exchanged for its socially, politically, culturally and historically disputed space, for something that we could name real space, then photography enters into an exchange relationship, independent of its value, and undertakes an economic function. In other words: before an economic situation that annuls the socially and culturally sculpted spaces, for these to be seen in future as mere capital and asset, photography becomes a spatial currency. The photographic archive takes on the function of a bank, assuring us that something remains when nothing else does. With this chapter the transition of space to commodity and goods has found its most radical end to date on the basis of a functionalisation of photography as the aestheticising of a loan that can never be repaid. When, however, this archive, sooner or later, is drawn in, to reconstruct that which has been exchanged, then the real-spatial construction is nothing more than an image of the once socially, culturally and politically disputed space: a sight, picturesque and photogenic.
Artists of the collection archive of reality: Max Baumann, Johannes Bruns, Matthias Hoch, Thilo Kühne, Frank-Heinrich Müller, Peter Oehlmann, Evelyn Richter, Rudolf Schäfer, Hans-Christian Schink, Michael Schroedter, Erasmus Schröter, Sigrid Schütze-Rodemann, Thomas Struth, Anett Stuth, Hermann Walter, Marion Wenzel, Thomas Wolf, Ulrich Wüst
Curated by Frank-Heinrich Müller, PHOTOGRAPHIEDEPOT Archiv für Bilddokumentation. Design: selanra grafikdesign. Concept and design of exhibition: Tom Unverzagt, Visuelle Kommunikation.
Im Selbstbild der VNG Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft spielt die Partnerschaft mit der in Ostdeutschland entstehenden Kunst eine wichtige Rolle. Als großes Unternehmen der Region fühlen wir uns mit verantwortlich dafür, dass Freiräume für ihre Entfaltung erhalten oder geschaffen werden. Mit Freude sehen wir Parallelen zum Wachstum unserer eigenen Leistungskraft. Wir haben uns seit 1990 für junge Kunst aus den östlichen Bundesländern engagiert und ihr in Sammlungen, Kalendern, Ausstellungen und Büchern ein Forum verschafft, in dem sie sich auch selbst widerspiegeln konnte und kann.
Eine Sammlung fotografischer Dokumente, die dafür konzipiert wurde, den angekündigten Verlust von manifester Realität und Geschichte zu antizipieren und künstlerisch zu kompensieren, bildet nicht nur ein Archiv, sondern sie gesteht diesem Archiv die Macht zu, selbst an die Stelle der Realität treten zu können. Damit stehen wir vor einem Begriff von Realität, deren Raum archivarisch geworden ist. Wenn aber dieser archivarische Raum der Realität gegen ihren sozial, politisch, kulturell und historisch umkämpften Raum, gegen etwas, was wir unlängst noch Realraum nennen konnten, getauscht werden kann, dann tritt die Fotografie unabhängig von ihrem Wert in eine Tauschbeziehung, und übernimmt eine ökonomische Funktion. Mit anderen Worten: Vor dem Hintergrund einer Ökonomie, die den kulturell und sozial geprägten Raum annulliert, um diesen für die Zukunft bloß als Kapital und Anlage zu betrachten, wird die Fotografie zu einer Raumwährung. Das fotografische Archiv übernimmt die Funktion einer Bank, die uns versichert, dass noch etwas bleibt, wenn nichts mehr geblieben ist. Mit diesem Kapitel hat die Kommodifizierung und Warenförmigkeit des Raumes ihr bislang radikalstes Ende gefunden auf der Basis einer Funktionalisierung der Fotografie als Ästhetisierung eines Kredits, der nicht mehr zurück bezahlt werden kann. Wenn aber dieses Archiv früher oder später herangezogen wird, um zu rekonstruieren, was getauscht wurde, dann wird auch das realräumliche Konstrukt nur mehr ein Bild des einst sozial, kulturell und politisch umstrittenen Raumes abgeben: eine Sehenswürdigkeit, sehenswert und fotogen.